Südafrika: Wiege der Menschheit?
Eigentlich ist das ja eine Metapher für jene Region, in der sich die Hominisation zugetragen hat, also die biologische Evolution und die frühe kulturelle Entwicklung der Gattung Homo. Dieser Tage zeigt sich diese Gattung sowohl biologisch als auch kulturell weitaus weniger entwickelt.
Haben wir letzten Monat noch befürchtet, das Land am Kap würde vom lauten Vuvuzela Getröte taub werden, da müssen wir am Ende dieses Monats angesichts des muskulösen Körpers einer südafrikanischen Weltmeisterin um die Sehkraft der Menschen am Kap fürchten. Was ist da nur los in der Wiege und was haben wir eigentlich damit zu tun?
Die Fakten: Während der Leichtathletik-WM in Berlin lief die 18-jährige Südafrikanerin Caster Semenya die 800-Meter in der sensationellen Zeit von 1:55,45 Min. Das ist Weltrekord! Bis drei Wochen vor der WM war Caster Semenya weitgehend unbekannt, bis sie kurz vor der WM die Szene mit einer Weltjahresbestzeit über die 800-Meter überraschte. Wer immer den WM-Lauf verfolgt hat, der stellte sich, wie die FAZ in Ihrer Ausgabe vom 20. August, die Frage: „Ist diese Lady eine Frau?“ Die online Redaktion der BILD ist da noch viel investigativer und fragt besorgt: „Ist diese Weltmeisterin ein Mann?“ Und gleich unterhalb dieser Headline macht die BILD das Thema mithilfe einiger Fotos zum heiteren Geschlechterraten. Abgebildet Caster Semenya: eindeutig falsch! Unten auf der Seite die knackigen Ansichten einiger Sportlerinnen: eindeutig richtig!
Auch der Generalsekretär des Internationalen Leichtathletikverbandes äußert in der Pressekonferenz nach dem WM-Lauf Zweifel am Geschlecht der Südafrikanerin und verkündet, dass derzeit auf Veranlassung der IAAF sowohl in Südafrika als auch in Berlin eine medizinische Untersuchung laufe, die zweifelsfrei klären soll, welchem Geschlecht Caster Semenya nun wirklich angehört. Das sei ein komplexes Verfahren und könne Wochen dauern.
Diese Ankündigung und der daraufhin einsetzende Medienrummel rund um Chromosomen-Kombinationen, Sexualhormone und ausgefeilte Geschlechtstests, wirft doch ein irgendwie fahles Licht auf die Regelwut mit der die IAAF in den Chromosomen und körperlich charakteristischen Merkmalen einer Person wühlt. Wenn dann die Bestimmung des Geschlechts von Caster Semenaya endlich und so richtig detailliert auf dem Tisch liegt, dann wird das die Medien kaum noch interessieren. Bis dahin dürfte aber das Selbstbestimmungsrecht und die Würde von Caster Semenya zum Teufel gegangen sein.
Da hier gerade die Rede vom Teufel ist und weil es an dieser Stelle so gut passt, lassen Sie mich Winnie Madikizela-Mandela, Exfrau des früheren Präsidenten Mandela und Abgeordnete zitieren: "Die können sich ihre Beleidigungen sonstwo hinstecken - das ist unser Mädel und niemand wird irgendwelche Tests mit ihr durchführen", erklärte sie. Und weil die rassistisch unterdrückten Fetzen grad so schön fliegen, verkündet uns Mapule Mboyi von der Frauenliga des regierenden Afrikanischen Nationalkongresses: "Wir sind sehr zornig. Die Art und Weise, wie Caster in Berlin behandelt wurde, ist eine Schande." So richtig schön verschwörerisch bedient uns auch der Chef des südafrikanischen Leichtathletik-Verbands, Leon Chuene mit der Behauptung: Semenya sei durch "feindlich gesinnte internationale Medien" traumatisiert. "Wir werden es den Europäern nicht erlauben, unser Kind (Semenya) zu beschreiben und zu definieren."
Schon vor mehreren Tagen berichtete die Schweizer Zeitung Blick, Semenya sei nachweislich ein Zwitter mit der Chromosomen-Kombination XY - ein sogenannter Hermaphrodit. Semenya hätte bei der WM in Berlin nicht bei den Frauen starten dürfen. Doch ihre Funktionäre sind das Risiko eingegangen, dass Caster Semenya vor der IAAF als Frau wohl kaum bestehen kann. Die südafrikanische Kritik an der Maßnahme des IAAF ist eben schlicht überzogenen. Die ganze Sache zeigt mal wieder, wie vergiftet derzeit die Rassenbeziehungen in Südafrika sind.
Caster Semenaya hat zu all dem nicht viel zu sagen. Und ich? Ich steh jetzt auf Wrestling. Ein ehrlicher, politikfreier Sport mit eindeutigen Geschlechtsmerkmalen.
Link: Zapiro: Caster Semenya








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