Samson Kambalu: ein Leben wie ein Kunstwerk?
Wer ernsthaft wissen möchte wie die afrikanische Seele eigentlich tickt, dem sei der Roman „Jive Talker“ von Samson Kambalu empfohlen. Der Roman von und über Samson Kambalu, ist ein wahrer Türöffner zum Verständnis des „schwarzen Kontinents“.
Schön unperfekt, leicht und auf der nächsten Seite wieder überraschend Tief und Ernsthaft, tanzt der Protagonist förmlich durch die großen Themen Afrikas. Und immer auch wieder Aids, aber nicht als Klage und Anschuldigung, sondern als Herausforderung und einfachen Schmerz dargestellt. Dabei ist Samson Kambalu irgendwie immer heiter, fast naiv und zuvorkommend freundlich im Umgang mit seinen Lesern. Perfekt, wie er Michael Jacksons Moonwalk erlernt und fast würdevoll, wie er Nietzsche auf dem heimischen Klo in Malawi (4. Welt) liest. Überzeugend und schlicht auch, wie er schon als Junge seine eigene Religion entwirft, die er später zur vielfach bewunderten Kunst entwickelt. Das Buch überrascht und verzaubert uns in seiner Geschichte immer wieder, grad so wie der Kontinent selbst.
Über den Autor
Samson Kambalu wurde 1975 als fünfter Spross einer zehnköpfigen Familie in Malawi geboren. Er erhielt ein Stipendium für die renommierte Kamuzu Academy und organisierte die erste Konzeptkunstausstellung in Malawi. Von da an ging es in mehrerer Hinsicht steil nach »oben«: geografisch nach London, wo er heute lebt, und mit seiner Karriere: Sein »Holy Ball«, Kambalus bekanntestes Kunstwerk, hüpfte von einem Erdteil zum andern. Der autobiografische Roman »Jive Talker« ist seine erste Veröffentlichung.
Samson Kambalu
Jive Talker (Roman)
Aus dem Englischen von
Marlies Ruß
Gebunden 352 Seiten
EUR 19.90 / FR 33.90
Leseprobe:
Mein Vater trug stets dreiteilige Anzüge, die er sich in den Sechziger- und Siebzigerjahren, als er es sich noch leisten konnte, aus London hatte schicken lassen. Damals sah er aus wie Nat King Cole, als ich dann älter wurde hingegen wie eine Vogelscheuche. Das lag nicht etwa am Alter der Anzüge (ein guter Anzug hält ewig), sondern daran, dass meine Mutter es mit der Hygiene ein wenig übertrieb. Immer wenn mein Vater, der als Hilfsarzt im Krankenhaus arbeitete, von seinen wöchentlichen Stationsrunden nach Hause kam, zog sie ihn im Hof aus, noch bevor er einen Fuß über die Türschwelle setzen konnte, und wusch den Anzug an Ort und Stelle, um jegliche Spuren von Tetanus, Keuchhusten, Masern, Mumps, Tbc und anderen gefährlichen Krankheiten zu tilgen, die sie in dem vertrauten Geruch von Aspirin, der meinen Vater umgab, auszumachen glaubte. Irgendwie schien sie in diesem Punkt der chemischen Reinigung nicht zu trauen. Ihre Waschmaschine war der große Stein mitten im Hof; sie weichte den Anzug in heißem Wasser und Sunlight Soap ein, presste ihn zu einem triefenden Knäuel zusammen und walkte ihn mit ihren kräftigen Händen durch. Danach senkte sich immer eine unheimliche Stille auf das Haus, denn der Anblick des Anzugs, wie er so auf der Leine hing, verscheuchte sämtliche Vögel aus den umstehenden Bäumen.
Doch meinen Vater störte es nicht, wie eine Vogelscheuche auszusehen. Er betrachtete sich als Philosophen und trug den Kopf himmelhoch wie eine Giraffe. Sein bevorzugtes Studierzimmer war das Klo. Abgesehen davon, dass das der einzige Ort im Haus war, wo man mal für eine Weile seine Ruhe hatte, war mein Vater davon überzeugt, dass alle großen Ideen auf dem Klo geboren wurden. Es sei kein Zufall, sagte er, dass Martin Luther sich die Reformation auf dem Klo ausgedacht habe. Daher war unser Klo auch meist mit einem eklektischen Sammelsurium von Büchern ausgestattet, das sich aus dem riesigen zweiteiligen Bücherregal im Wohnzimmer speiste, dem Diptychon, wie er es nannte. Ein Großteil der Bücher stammte von seinem Lieblingsautor Friedrich Nietzsche. Wegen seines messerscharfen aphoristischen Stils und seiner ungeschminkten Wahrheiten, so mein Vater, sei Nietzsche der perfekte Philosoph fürs Klo. In den Stapeln von Taschenbuchausgaben neben unserer Toilette fand sich denn auch jedes einzelne von Nietzsches Werken: Die Geburt der Tragödie, Unzeitgemäße Betrachtungen, Menschliches, Allzumenschliches, Morgenröte, Die fröhliche Wissenschaft, Also sprach Zarathustra, Jenseits von Gut und Böse, Zur Genealogie der Moral, Der Fall Wagner, Götzen-Dämmerung, Antichrist, Nietzsche contra Wagner, Wille zur Macht, Ecce homo und sogar jenes, das er angeblich schon halb wahnsinnig gegen Ende seines Lebens geschrieben haben soll und das noch nicht einmal im Original existiert, My Sister and I.
Mein Vater schrieb sich Zitate und Lektürenotizen auf Zettel und tapezierte damit die Wände unseres Klos, bis dort irgendwann kein Platz mehr war und die Zettel auch auf andere Orte im Haus übergriffen. Und seit der Zeit in Blantyre, als er von der schattig-grünen Vorstadt von Queens in die raue Township von Nkolokosa umziehen musste, um einem richtigen Doktor aus England Platz zu machen, nannten wir ihn den Jive Talker. Nicht etwa weil er log oder dummes Zeug redete, sondern weil er oft nächtelang seine nietzscheanischen und persönlichen Beschwörungen in trunkenen Tiraden auf uns niederprasseln ließ, die er selbst Jive nannte, nach seinem Lieblingsbier, Carlsberg Brown, das er auch Jive nannte.









Referenz-Nummer: R-00001 Kaufpreis ZAR: 15.500.000,00 Lage: Constanti...
Referenz-Nummer: DG-TAM020031 Kaufpreis ZAR: 11,900,000.00 Lage: City...
Referenz-Nummer: GGI 47 Kaufpreis ZAR: 14,450,000.00 Lage: Hout Bay G...
Referenz-Nummer: BA-Paarl Kaufpreis ZAR: auf Anfrage Lage: Paarl Grun...























